Deutsche Meisterschaften in Nürnberg

Im Olympiajahr 2008 stehen die Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften unter einem ganz besonderen Vorzeichen: Am kommenden Wochenende (5./6. Juli) geht es im Nürnberger easyCredit-Stadion nicht nur um die Deutschen Meistertitel, sondern auch in den meisten Disziplinen noch um die Tickets zu den Olympischen Spielen in Peking.

Insgesamt 10 Medaillen holten die Athletinnen und Athleten des WLV im vergangenen Jahr bei der DM in Erfurt. Dieses Ergebnis zu halten oder gar noch zu toppen, dürfte in Nürnberg nicht ganz einfach werden. Von den beiden Titelverteidigern des WLV ist der eine – Filmon Ghirmai (LAV ASICS Tübingen) - verletzungsbedingt gar nicht am Start während der Vorjahressieger über 5000 Meter – Arne Gabius (LAV ASICS Tübingen) – sich bislang noch nicht in der Form des Vorjahres zeigen konnte.

Zu den heißen Titelanwärtern des WLV zählt mit Sicherheit „Schwabenpfeil“ Tobias Unger (LAZ Salamander Kornwestheim/Ludwigsburg) über 100 Meter. Nachdem er die geforderte Olympia-Norm des DLV als einziger deutscher Sprinter bereits erfüllt hat, kann er in Nürnberg ganz unbeschwert an den Start gehen. Mit seinen in Regensburg gelaufenen 10,17 Sekunden steht er auf Platz 1 der aktuellen DLV-Bestenliste. Schwer tun wird sich dagegen der Tübinger Marius Broening, noch auf den Olympiazug aufzuspringen. Nach seiner beeindruckenden Hallensaison kämpft er mit Problemen im Oberschenkel und hat bislang noch keine 100 Meter-Zeit stehen, die ihn für einen Einsatz in der 4x100 Meter-Staffel des DLV empfiehlt.

Über 5.000 Meter findet sich bislang etwas überraschend Junior Zelalem Martel (LG Neckar-Enz) an der Spitze der DLV-Bestenliste mit seinen in Kassel gelaufenen 13:38,10 Minuten. Ihm ist durchaus zuzutrauen, dass er in Nürnberg den Etablierten wie Jan Fitschen und Arne Gabius ein Schnippchen schlägt und zu seinem ersten deutschen Meistertitel bei den Aktiven kommt. Ob bei dem Meisterschaftrennen in Nürnberg allerdings auch die Olympianorm (13:21,40) fällt, ist eher unwahrscheinlich.

Eine ganz offene Angelegenheit sind in diesem Jahr auch die 400 Meter Hürden. Lars-Birger Hense (Friedberg-Fauerbach) hat bislang die schnellste Zeit des Jahres mit 51,04 Sekunden vorgelegt. In dieser Größenordnung könnte auch der Sindelfinger Stephan Stoll mitmischen, der seine Bestmarke 2008 auf 51,31 Sekunden gesteigert hat. Aber auch sein Vereinskamerad Hannes Scharpf, der sich erst am vergangenen Wochenende auf 51,80 Sekunden verbessert hat, könnte für eine Platzierung in den vorderen Rängen gut sein.

Ganz besonders brisant verspricht der Stabhochsprungwettbewerb der Männer zu werden. Für die 3 Olympiatickets stehen acht Athleten zur Auswahl, die in den letzten Wochen schon über 5,70 Meter oder höher geflogen sind. Dazu zählt auch der letztjährige Studentenweltmeister und DM-Dritte Alexander Straub (LG Filstal), der in diesem Jahr bislang sehr konstant gesprungen ist und in verschiedenen Wettkämpfen die anderen Top-Springer des DLV hinter sich gelassen hat. Klarer Favorit ist allerdings der gerade einmal 18 Jahre alte Raphael Holzdeppe (LAZ Zweibrücken), der am vergangenen Wochenende in Biberach mit 5,80 Metern den U20-Weltrekord einstellte. Ein dickes Fragezeichen steht noch hinter dem Einsatz von Fabian Schulze (LAZ Salamander), der unter den Nachwirkungen einer Sommergrippe leidet und die Peking-Teilnahme mehr oder weniger schon abgeschrieben hat.

Eine ganz schwierige Aufgabe hat auch Weitspringer Peter Rapp (LAV ASICS Tübingen) in Nürnberg zu lösen. Mit Nils Winter (Team Referenznetzwerk Leverkusen), Sebastian Bayer (TSV Bayer 04 Leverkusen) und Christoph Stolz (VfL Wolfsburg) hat er drei Springer zur Konkurrenz, die bereits die B-Norm von 8,05 Metern übertroffen haben und im Rennen um das eine Olympia-Ticket, das mit der B-Norm gelöst werden kann, die Nase vorn haben. Peter Rapp (LAV Asics Tübingen) gelang dies bislang nur mit zu starker Rückenwindunterstützung.

Im Kugelstoßen der Männer scheinen die beiden ersten Plätze nach dem bisherigen Saisonverlauf für Europacup-Sieger Peter Sack (LAZ Leipzig) und Europameister Ralf Bartels (SC Neubrandenburg) reserviert. Spannend dürfte der Kampf um Bronze werden. Hier haben die beiden Sindelfinger Sven-Eric Hahn und Marco Schmidt durchaus Chancen.

Hochspannung verspricht der Speerwurf-Wettbewerb der Männer und dies vor allem auch aus württembergischer Sicht. Für Peter Esenwein (LAZ Salamander Kornwestheim/Ludwigsburg) geht es dabei um alles oder nichts, denn die deutschen Top-Werfer liegen in diesem Jahr ganz nah beisammen, keiner konnte sich entscheidend von seinen Konkurrenten absetzen. Neben Peter Esenwein haben noch Stephan Steding (Hannover 96), Alexander Vieweg und Matthias de Zordo (beide SV schlau.com Saar 05 Saarbrücken) die Olympia-Norm von 82 Metern bereits übertroffen, Titelverteidiger Stephan Steding sogar schon zweimal. Peter Esenwein muss also zum einen die Olympianorm ein zweites Mal knacken und sich gegenüber seinen Konkurrenten gut platzieren um das Peking-Ticket zu lösen.

Deutlich dünner gesät sind die Medaillenaspirantinnen des WLV in den Frauen-Wettbewerben. Über 100 Meter Hürden ist nach der Absage von Kirsten Bolm (MTG Mannheim) die Bremerin Carolin Nytra klare Favoritin. Als einzige deutsche Hürdensprinterin hat sie mit ihren 12,84 Sekunden bislang auch die Olympianorm unterboten. Im Kampf um die weiteren Medaillen hat Nadine Hildebrand (LAZ Salamander Kornwestheim/Ludwigsburg) gute Karten, denn mit 13,04 Sekunden steht sie hinter Nytra auf Rang 2 der deutschen Jahresbestenliste.

Bereits fest nominiert für die Olympischen Spiele ist Kugelstoßerin Christina Schwanitz (SV Neckarsulm). Sie kann also in Nürnberg ganz unbelastet in den Kampf um den DM-Titel gehen. Nachdem die Neubrandenburgerin Petra Lammert verletzungsbedingt die Saison bereits beenden musste, läuft am kommenden Wochenende alles auf einen Dreikampf zwischen Christina Schwanitz sowie Nadine Kleinert (SC Magdeburg) und Denise Hinrichs (TV Wattenscheid) hinaus.

Ganz schwer einzuschätzen sind die Staffelwettbewerbe. Über 4x100 Meter der Männer ist das Quartett des TV Wattenscheid eindeutig favorisiert. Auf den weiteren Plätzen ist so gut wie alles möglich. Neben dem TSV Friedberg-Fauerbach, dem TV Gladbeck und dem LAC Quelle Fürth kann auch das Team vom LAZ Salamander Kornwestheim/Ludwigsburg – gelungene Wechsel vorausgesetzt – ins Rennen um die Medaillen eingreifen. Über 4x400 Meter der Männer steht das Quartett des VfL Sindelfingen auf Rang 2 der diesjährigen Bestenliste. Falls sich die Sindelfinger gegenüber den bei den Landesmeisterschaften in Heilbronn erzielten 3:15,46 Minuten noch steigern können, ist ein Platz auf den Medaillenrängen durchaus drin.

Ebenfalls im Rahmen der DM werden in Nürnberg die Staffelwettbewerbe über 4x400 Meter und 3x1000 Meter der männlichen Jugend sowie 4x400 Meter und 3x800 Meter der weiblichen Jugend ausgetragen. Aufgrund der gemeldeten Vorleistungen haben Medaillenchancen vor allem die Teams der LG Neckar-Enz über 4x400 Meter der weiblichen Jugend, der LG Tuttlingen-Fridingen und des TSV Gomaringen über 3x800 Meter der weiblichen Jugend.

Weitere Informationen zu den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften am 5./6. Juli in Nürnberg finden Sie [HIER]

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