Private Wettanbieter führen Sportvereine hinters Licht

Nur die Zulassung von privaten Wettanbietern sichere langfristig die staatlichen Zuschüsse an den organisierten Sport. Das Glücksspielmonopol für Toto-Lotto hingegen bringe den Vereinssport in finanzielle Bedrängnis. Diese Behauptung stellt der Verband Europäischer Wettunternehmer (VEWU) in einem Brief auf, den er kürzlich an unzählige Sportvereine in Deutschland verschickt hat – zusammen mit einer reißerisch vorformulierten Postkarte ("Rote Karte für das Glücksspielmonopol"), die die Vereinsvertreter an die Präsidenten der jeweiligen Sportbünde schicken sollten. Der Landessportverband Baden-Württemberg (LSV) und die Toto-Lotto GmbH bezeichnen diese Aktion als "aggressive Kampagne" mit "haltlosen Behauptungen", die nur auf die Verunsicherung der Sportvereine abzielt.

=> Schreiben an die Vereine von LSV und Toto-Lotto

Kommentar von Heinz Mörbe, Hauptgeschäftsführer des Württembergischen Landessportbundes WLSB:

Um ans große Geld zu kommen, ist manchen Leuten und Organisationen jede Masche recht. Selbst wenn sie fast an Volksverdummung grenzt. Dazu darf man ohne zu zögern auch die Aktion des Verbandes Europäischer Wettunternehmer (vewu) zählen. Der vewu hat kürzlich mit der Kampagne „Rote Karte für das Glücksspielmonopol“ die Sportvereine in ganz Deutschland aufgefordert, sich für eine Liberalisierung des Sportwettenmarktes einzusetzen.

Stichhaltige Argumente, warum die Sportvereine die vorformulierte Postkarte an die Präsidenten der Landessportbünde schicken sollten, finden sich in dem Schreiben nicht. Stattdessen werden Ängste geschürt, die finanzielle Unterstützung des Sports durch die Landesregierung könnte in den kommenden Jahren massiv einbrechen.

Die nicht nachvollziehbare Begründung: Durch die strengen Auflagen zur Bekämpfung der Spielsucht würden die Einnahmen von Toto-Lotto um zwei Milliarden Euro zurückgehen, und in der Folge auch die Sport-Förderung der Länder, die aus den Lotto-Einnahmen gespeist werden. In welchem Zeitraum die Ausfälle von zwei Milliarden Euro auflaufen werden, diese Information bleibt der vewu schuldig – und unterstreicht damit nur die unseriösen Absichten seiner Aktion.

Zu Recht haben im Land die Sportverbände und Toto-Lotto, von dessen Einnahmen der Sport in Baden-Württemberg 2008 rund 59 Millionen Euro erhalten hat, gemeinsam und umgehend diese falschen Behauptungen entkräftet. Schließlich kann es nicht angehen, dass die gemeinwohlorientierten Vereine den unseriösen Argumenten eines Verbandes auf den Leim gehen, der allein das Ziel verfolgt, die Profite seiner Mitglieder in Gibraltar, Malta und Österreich in die Höhe zu treiben.

Der organisierte Sport zeigt den privaten Wettanbietern deshalb die rote Karte.

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