Mehr Sportspaß für Kinder

Bild
 


Bericht mit freundlicher Genehmigung der Waiblinger Kreiszeitung www.zvw.de
Mathias Schwardt


Leichtathletik ist Einzelsport. Kein Wunder, dass viele Kinder schnell die Lust verlieren. Warum darf man nur kurz was machen und muss dann blöd rumstehen und anderen zugucken? Schluss damit: Im Leichtathletikkreis Rems- Murr gibt’s nun für Kinder die Team-Liga mit altersgerechten Wettbewerben. Einzelkämpfer sind nicht mehr gefragt, gestartet wird in Mannschaften.

Katja Weißhaar (24) weiß, wie motivationshemmend es ist, keine Trainings- und Wettkampfpartner zu haben. Mit 14 Jahren war sie die einzige Siebenkämpferin bei der LG Weinstadt. Deshalb wechselte die Athletin zum TSV Schmiden, für den sie noch heute startet. Der LG Weinstadt ist sie als Trainerin treu geblieben. Was hätten andere, weniger sportverrückte Jugendliche in Weißhaars Situation gemacht? Wahrscheinlich mit der Leichtathletik aufgehört.

Nachwuchs zu gewinnen ist schwierig, ihn zu behalten noch schwieriger. Wer im Verein mit Gleichaltrigen aufwächst und gemeinsam Spaß am Sport hat, bleibt eher bei der Stange als einer, der nur allein vor sich hinwurstelt. Hier setzt das neue Kindersportkonzept an, das im Leichtathletikkreis Rems-Murr entwickelt worden ist und in diesem Jahr erstmals kreisweit mit Leben erfüllt wird: die Team-Liga mit insgesamt fünf Veranstaltungen für die Altersklassen U 8 bis U 10 sowie leicht modifiziert für die Altersklasse U12.

Andere Wettkämpfe gibt es in diesen Altersklassen nicht mehr

Dem Konzept zugrunde liegen neue Richtlinien des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. „Der DLV wünscht sich für diese Altersklassen einen vielseitigen Wettkampf, also keinen klassischen Dreikampf aus Springen, Laufen und Werfen mehr“, erläutert Kreislehrwartin Inge Rieger vom VfL Winterbach. Katja Weißhaar, Jugendwartin im Leichtathletikkreis, fügt hinzu: „In der klassischen Leichtathletik gab’s nur die Einzelwertung. Da standen die Kinder in einer Reihe rum, haben ihre Versuche gemacht und fertig. Bei der Team-Liga ist jetzt das entscheidend Neue, dass es ein Teamwettkampf ist.“ Die Liga, eine ausgeprägtere Form des bisherigen Konzepts „Kidletik“, ist verpflichtend. Andere Wettkampfformen in den betroffenen Altersklassen gibt’s im Rems-Murr-Kreis nicht mehr.

Foto
So kann man Weitsprung spielerisch trainieren: Matthias Lagodny demonstriert in der Grundschulturnhalle in Weinstadt-Endersbach, wie viel Spaß ein altersgerechter
Wettkampf macht. (Foto: Büttner)


Und so funktioniert ein Ligawettkampf für die U 8 bis U 10: Mindestens sechs bis höchstens elf Mädchen und Jungen, es gibt nur gemischte Teams, bilden eine Mannschaft. Auf dem Programm stehen vier altersgerechte Disziplinen pro Veranstaltung. Der Druck wird minimiert, ungültige Versuche etwa beim Springen gibt es nicht. Der Spaß und das spielerische Lernen der leichtathletischen Disziplinen stehen im Mittelpunkt. Für die Altersklasse U 12 sind fünf Disziplinen vorgesehen. Zusätzlich zur Team- gibt es auch eine Einzelwertung.

Je nach Wettkampf werden die Einzelleistungen zu einem Teamergebnis addiert. Damit keine Langeweile aufkommt, soll eine Veranstaltung inklusive Siegerehrung nicht länger dauern als drei Stunden. Am Ende wird jeweils ein Tagessieger, am letzten der fünf Ligatage zudem ein Gesamtsieger gekürt.

Die leichtathletischen Elemente Laufen, Springen und Werfen werden kombiniert. Bei der Abschlussveranstaltung in Winterbach am 22. September werde es beispielsweise eine „Biathlonstaffel“ geben, sagt Rieger. Die Kinder laufen eine Strecke und werfen dann mit Bällen Hütchen ab oder schleudern Kinderspeere durch Reifen. Wer nicht trifft, läuft eine Strafrunde. „Da ist alles drin: Ausdauer, Wurf, Koordination.“

Die Disziplinen sind nicht vorgeschrieben, ausrichtende Clubs können ihre Kreativität spielen lassen. „Ein Verein hat mehr Möglichkeiten für Wettkämpfe im Bereich Lauf, ein anderer mehr im Bereich Wurf. Die Vereine sprechen sich ab, damit sich bei den Veranstaltungen nicht so viel wiederholt.“ Auch Zusammenarbeit ist erwünscht. Wenn ein Club nur drei Kinder hat und ein anderer vier, können diese gemeinsam als Team an den Start gehen.

Gelungener Testwettkampf mit über 100 Kindern

Je zwei Mannschaften gleichzeitig absolvieren einen Wettkampf. Die anderen Kinder beschäftigen sich derweil mit ihren Teammitgliedern und stehen nicht mehr steif in einer Reihe. „So entsteht mehr Bewegung als früher“, sagt Weißhaar. Das habe sich bei einem Testwettkampf in der Sporthalle der Albertville-Schule in Winnenden gezeigt. „Über 100 Kinder aus fast allen Vereinen aus dem Kreis waren bei der U 10 und U 8 mit dabei. Nach zwei Stunden war alles fertig.“ Die Wettkämpfe in der U 12 hätten danach ebenfalls nicht länger gedauert. „Auch die Rückmeldungen der Eltern waren sehr positiv.“

Foto
Überzeugt vom Konzept der Kinderleichtathletik und der Team-Liga: Jugendwartin Katja Weißhaar (links)
und Kreislehrwartin Inge Rieger. (Foto: Bernhardt)


Katja Weißhaar und Inge Rieger sind guter Dinge, dass sich die Team-Liga bewähren und sich positiv auf die Nachwuchsarbeit in der Leichtathletik auswirken wird. Die Jugendwartin: „Wir haben die Hoffnung, die Kinder bleiben als Mannschaft zusammen und der Sportart treu.“

Team-Liga 2012

• In der erstmals ausgetragenen Teamliga wird es in diesem Jahr fünf Veranstaltungen mit altersgerechten Wettkämpfen für Kinder geben.
• Erster Wettkampf am Sonntag, 29. April, im Rahmen der Bahneröffnung in Winnenden.
• Zweiter Wettkampf am Samstag, 12. Mai, in Kernen-Rommelshausen.
• Dritter Wettkampf am Sonntag, 1. Juli, in Welzheim.
• Vierter Wettkampf am Sonntag, 15. Juli, in Urbach.
• Fünfter Wettkampf am Samstag, 22. September, in Winterbach.
• Es gibt jeweils einen Tagessieger. Bei der letzten Veranstaltung wird auch der Gesamtsieger gekürt.
 
Zurück