Sparkassen Alb Marathon Schwäbisch Gmünd: Streckenrekorde am Rechberg und im Hölltal

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Start zur 26. Auflage des Sparkassen Alb Marathon in Schwäbisch Gmünd



Am vergangenen Samstag (22.10.) fand der 50 km Sparkassen Alb Marathon Schwäbisch Gmünd statt. Auch in seiner 26. Auflage ist er einer der größten Ultramarathons Deutschlands. Die äußeren Bedingungen waren dieses Jahr kühl, aber weitgehend trocken, was besonders den schnellen Läufern erkennbar gute Bedingungen bot, ihr Potential abzurufen. Vielleicht auch durch diese guten Rahmenbedingungen gab es viele Nachmelder. Insgesamt lagen die Teilnehmerzahlen mit 1.630 Teilnehmern im Ziel nicht allzu weit unter dem bisherigen Rekordwert entfernt (2008 - 1733), und deutlich über den Werten der Vorjahre.

Der Start erfolgte für die 25 km- und 50 km-Wettbewerbe gemeinsam um 10 Uhr am Johannisplatz zwischen Johanniskirche und dem Wettkampfzentrum im Prediger. Von dort schickte der erste Bürgermeister, Dr. Joachim Bläse, zusammen mit Sparkassendirektor Dr. Christoph Morawitz von der KSK Ostalb die Läufer und Läuferinnen zusammen auf die Strecke.

Der Sparkassen Alb Marathon: Richard Schumacher wiederholt Vorjahressieg

Bei den Herren richtete sich das Interesse im Vorfeld vor allem auf das Duell zwischen den Favoriten Schumacher und dem Ungarn Muhari. Dies wurde allerdings durch einen weiteren Athleten aus Äthiopien ergänzt, Firaa’ol Eebisaa aus Äthiopien, derzeit Asylbewerber und für Quelle Fürth startend. Er machte zusammen mit einem weiteren äthiopischen Landsmann (Berhanu Diro Tola) Tempo, und die beiden gingen auf der ersten Hälfte des Rennens in Führung. Schumacher und ein weiterer Läufer, Moritz auf der Heide, blieben aber nur wenige Sekunden, Gabor Muhari 1 bis 2 Minuten dahinter in Lauerstellung.

Kurz danach entschied sich das Rennen, denn Schumacher hatte etwa bis zur Reiterleskapelle Diro Tola überholt und zu Eebisaa aufgeschlossen. Auf den folgenden Bergabpassagen griff er an und ging in Führung. Diro Tola wiederum erlitt kurz nach dem Stuifen einen Schwächeanfall und musste das Rennen aufgeben. Muhari hatte inzwischen zu auf der Heide aufgeschlossen, überholt und kam Eebisaa immer näher. Bei Kilometer 48 hatte er noch 2 Minuten Rückstand auf Eebissa, die er noch bis auf 4 Sekunden verringerte, sodass Eebisaa gerade noch Platz 2 ins Ziel rettete.

Die Zeiten für Schumacher (3:20:21 Std.) bis Muhari (3:23:22 Std.) waren aller Ehren wert. Schumacher war damit 10 Minuten, Muhari 15 Minuten schneller als im Vorjahr.

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Die Spitzengruppe des Sparkassen Alb Marathon auf dem Stuifen

Bei den Damen war das Rennen ebenfalls spannend aber doch etwas weniger dramatisch. Die auf Marathonstrecken bisher unbekannte Claudia Volz ging bei ihrem ersten Lauf in Schwäbisch Gmünd bereits früh und mit bis zu 5 Minuten in Führung. Sie brachte die Führung auch wieder von den Bergen bis nach Waldstetten und Straßdorf zurück, erlitt dann aber bei Kilometer 46 einen starken Einbruch, den Branka Hajek dazu nutzte, sich in 4:23 Std. den Sieg zu sichern.

Gaby Marek-Schmid (4:35 Std.) auf Platz 3 lief lange in Lauerstellung, hatte aber mit dem Rennen um Platz 1 letztlich nichts zu tun. Nicole Pfaue (4:43:03 Std.) und Marion Braun (4:43:49 Std.) wiederum liefen praktisch das ganze Rennen auf ihren späteren Schlussplatzierungen. Die Damenzeiten waren insgesamt mäßig. Die diesjährige Siegerzeit hätte im Vorjahr nur für Platz 6 ausgereicht. Vielleicht fehlte hier ja der zusätzliche Ansporn durch eine schnelle Äthiopierin. Immerhin war Branka Hajek im Jahr 2009, als sie bereits einmal den Alb Marathon gewann 26 Minuten schneller gewesen.

Europacup der Ultramarathons

Der Europacup der Ultramarathons besteht aus 6 europäischen Landschaftsläufen in 6 Ländern. Seine Grundidee ist seit der ersten Serie 1992/93 das bessere Kennenlernen und die bessere Vernetzung der Läufer in einem zusammenwachsenden Europa.

Herren
Hier ging der Sieg nach Ungarn. Gabor Muhari gelang es zum zweiten Mal, den Europacup mit großem Vorsprung zu gewinnen. Dabei spielte auch sein hervorragender Lauf beim Alb Marathon eine Rolle. Auf Platz 2 platzierte sich Sylvio Langer, der auf der Alb aber nur ein „Streichergebnis“ erzielte, und allein durch seine guten Läufe in Rouffach, Mnisek und Biel auf Platz 2 kam. Im Kampf um Platz 3 konnte Andreas Maisch seinen schärfsten Konkurrenten, Borut Siherle aus Slowenien, trotz dessen guten Laufs beim Alb Marathon noch auf Distanz halten. Sylvio Langer hat dieses Jahr als einziger alle sechs Wertungsläufe absolviert. Auf Platz 5 und 6 liegen mit Paul Schiele aus Aalen und Jörg Schreiber von der DJK Schwäbisch Gmünd zwei Lokalmatadoren.

Damen
Bei den Damen wurde die Slowenin Bernarda Zvir ihrer Favoritenrolle gerecht und konnte auch beim Alb Marathon ihre schärfste Konkurrentin, die Deutsche Iris Groß auf Abstand halten. Auf den Plätzen 3 bis 5 des Europacups folgte ein slowenisches Trio, das beim Alb Marathon allerdings nicht am Start war.

Die Gesamtergebnisse stehen unter www.europacup-ultramarathon.eu/ zur Verfügung.

Doppelstreckenrekord beim Gmünder Tagespost Rechberglauf

Der 25 km Gmünder Tagespost Rechberglauf ist mit 780 Höhenmetern ein klassischer Berglauf, wenngleich mit längeren, ebenen Passagen dazwischen. Ohne die Leistung der 50 km- Läufer schmälern zu wollen fand hier der sportliche Höhepunkt des diesjährigen Alb Marathons statt. Hier boten sich 2 Athleten ein atemberaubendes Duell. Der deutsche Berglauf- Vizemeister Jonas Lehmann (zuletzt Platz 19 bei der Berglauf- WM) und der in Deutschland lebende und für den LAC Quelle Fürth startende Äthiopier Getachew Endisu liefen Seite an Seite den Rechberg empor. Erst am letzten Anstieg gelang es Endisu, einen Vorsprung von 10 Sekunden herauszulaufen und in 1:31:15 Std. das Ziel zu erreichen.

Beide unterboten damit den bestehenden – und bis Samstag für nicht angreifbar gehaltenen - Streckenrekord des schottischen Bergläufers Robbie Simpson von 2014 (1:32:54 Std.) um eineinhalb Minuten. Das sind im Grunde Traumzeiten, denn den Rechberglauf gibt es ja nun doch schon seit 1999 und die 1:36 Std. von Markus Brucks aus 2001 schienen bis vor kurzem das Maß aller Dinge. Nicht untergehen sollte daher auch die Leistung des Drittplazierten, Addisu Tulu Wodajo vom Team Finishline, der das Ziel in 1:37:55 Std. erreichte; auch dies ist eine Topzeit.

Vielleicht noch beeindruckender ist die Leistung von Laura Phillip bei den Damen. Die Gmünder Profi-Triathletin (zuletzt Platz 7 und beste Deutsche bei der 70.3 Triathlon-WM 2016 in Mooloba) startete für das Team Erdinger alkoholfrei. Ihr gelang es, den bestehenden Uralt-Streckenrekord von 1:55:49 Std. (Jennifer Wischnath, AST Süßen, 2001) um über 5 Minuten auf 1:50:01 Std. zu verbessern. Auch dies ist eine Traumzeit. Auf Gesamtplatz 7 konnte sie gleichzeitig dem auf ihrem Blog deklariertem Hobby „Männer überholen…“ ausgiebig nachgehen, denn soweit vorne in der Gesamtwertung war auch noch keine Frau.

Auch hier drohen Superleistungen unterzugehen: Auch Kerstin Stephan (LG Olympia Wiesbaden) blieb in 1:55:10 Std. noch unter der alten Marke Streckenbestzeit, und auch Julia Laub (ASC Ulm/Neu-Ulm) als Drittplazierte hätte in 1:59:55 Std. in anderen Jahren den Lauf gewonnen, da Siegerzeiten bei den Frauen bisher häufig über 2 Stunden lagen.

Die Spitze beim Rechberglauf ist - im Gegensatz zum 50 km Lauf - bei Damen wie Herren in den letzten Jahren anscheinend breiter und nicht schmaler geworden.

Umicore 10 km- Lauf

Der Umicore 10 km Lauf führt von der Innenstadt über die Bocksgasse in den Schwerzer und den Katharinenwald um dann über das Hölltal wieder in die Innenstadt zurück zu kehren. Auch hier gab es spannende Entwicklungen und eine erstaunliche Leistungsdichte. Der erst letztes Jahr von Jonas Lehmann aufgestellte Streckenrekord von 33:38 Min. wurde hier von gleich 3 Athleten unterboten und von einem Vierten gestreift.

Auf der ersten Hälfte des Laufs an lag ein Quartett eng beisammen. Es bestand aus einem weiteren, für die LAC Quelle Fürth startenden Äthiopier, Eshetu Zewudie, dem im Vorfeld favorisierten Aalener Christoph Wallner (Sieger 2014), Thomas Thyssen vom PSV GW Kassel und dem im Vorfeld ebenfalls hoch gehandelten Syrer Hazim Alhasan Alamed (SG Stern Stuttgart). Das Rennen entwickelte sich auf der zweiten Hälfte so, dass Zewudie und Wallner erkennbar um den Sieg liefen, während Thyssen und Alhasan Aamed um Platz 3 liefen. Zewudie lief bis Kilometer 8 allerdings bereits 20 Sekunden Vorsprung heraus und konnte dies bis ins Ziel noch ausbauen (neuer Streckenrekord 32:42 Min.; Wallner 33:19 Min.), während Thyssen sich erst auf dem letzten Kilometer absetzen konnte (33:26 Min.). Alhasan Alamed blieb nach einem tollen Rennen in 33:47 Min. – der sechstschnellsten Zeit auf dieser Strecke - dann nur der diesmal besonders undankbare vierte Platz.

Bester Läufer aus dem Ostalbkreis war nach Christoph Wallner Stefan Krebs von der Kreissparkasse Ostalb (bzw. DJK Schwäbisch Gmünd), der in 35:38 Min. auf Platz 5 (Platz 1 in M35) gelangte. Auch schön: Der Gmünder Jugendmeister 2015, Fabian Stillhammer (SV Ebnat) wechselte dieses Jahr von 1,7 auf 10km und erlief sich in 37:18 Min. Platz 6 und den Sieg in der MJU18.

Auch bei den Damen gelang Eva Scheu in 38:54 Min ein neuer Streckenrekord, der in diesem Fall allerdings ein wenig überfällig war. Zum Einen ist der 10 km-Lauf vergleichsweise jung (und Streckenrekorde entwickeln sich ja). Zum Anderen war die bisherige Bestzeit von 42 Minuten in Relation zu anderen Läufen und in Relation zu den Herrenzeiten vergleichsweise langsam.

Eva Scheu gelang ein Start- Ziel Sieg. Die Zweitplatzierte, Stefanie Grimmeisen vom SV Mergelstetten Triathlon lag zuerst auf Platz 3, verdrängte dann aber Alicia Maier vom LSG Aalen noch auf Platz 3. Beide Zeiten (39:46 Min. und 39:58 Min.) lagen ebenfalls noch unter der alten Bestmarke. Dass die guten äußeren Bedingungen eine wichtige Rolle spielten wird daran deutlich, dass Stefanie Grimmeisen mit ca.3 - 5 Minuten langsameren Zeiten den Umicore Lauf 2013 gewonnen und 2014 auf Platz 2 beendet hatte.

Der Schwäbisch Alb Marathon wird von der DJK Schwäbisch Gmünd organisiert und von der Gmünder Tagespost präsentiert. Neben der DJK selbst waren beim Jubiläumslauf wieder die Partnervereine bzw. Organisationen TSV Wäschenbeuren, TSGV Rechberg, TV Wißgoldingen und TSGV Waldstetten, TV Straßdorf, Jugendhaus Schwäbisch Gmünd, DRK und THW bei der Organisation dabei. Helfer kamen auch von den Fußballerinnen der Normannia, der Freiwilligen Feuerwehr Gmünd und dem AGV 1973. Insgesamt waren ca. 300 freiwillige Helfer im Einsatz, was ein schönes Zeichen für die Stärke des Ehrenamts in und um Schwäbisch Gmünd darstellt.

Bericht: Matthias Wenzel


>> Zu den Ergebnissen des 26. Sparkassen Alb Marathon


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