Hintergrundwissen zur Leichtathletik - ein Kampfrichter-Lehrgang bringt's!
  02.04.2019 •     WLV , Kampfrichter , Bildung , Wettkampf , BW-Leichtathletik


Es können sich noch so viele Athleten zu einem Wettkampf anmelden - wenn es nicht genug Kampfrichter gibt, geht gar nichts. Dann springen vielleicht noch ein paar Eltern ein, die wegen ihrer Kinder sowieso vor Ort sind. Aber Fachwissen dazu, was eigentlich gemacht werden muss, fehlt dann natürlich. Was hilft? Ein Kampfrichter-Lehrgang, wie wir ihn am vergangenen Samstag im Ostalbkreis besuchten.

Morgens um 9 Uhr an der TV Halle "Hocke" in Bargau bei Schwäbisch Gmünd: Der stellvertretende Kreiskampfrichterwart Gerhard Rieg hatte zum Lehrgang geladen. 12 Teilnehmer folgten dieser und trafen sich zum Vortrag der WLV-Kampfrichter Gerd Fecher und Anian Bauder.

Diese beiden gehören zum 24-köpfigen "Kari-Lehrstab" des WLV. Anfang des Jahres wird eine Liste mit den Veranstaltungen des Jahres aufgestellt, die sich der Lehrstab dann untereinander aufteilt. Gerd Fecher und Anian Bauder stammen beide aus dem Kreis Esslingen. Ausrichter des Lehrgangs sind die Kreise, genauer gesagt die Kreiskampfrichterwarte, die in ihrem Kreis Werbung für die Veranstaltung machen - natürlich auch, um selbst den Nachwuchs zu sichern.

Nachwuchs und Hintergrundinfos

Denn es ist wohl allgemein bekannt, dass die Kampfrichter-Zunft Nachwuchssorgen hat. Es gibt kaum Wettkämpfe, an denen es nicht an Personal mangelt. Oft können Ergebnisse nur Dank einspringender Eltern erzielt werden, die beherzt mithelfen, ohne weitere Hintergrundinformationen zu haben.

So war es nicht überraschend, dass auch viele der Lehrgangsteilnehmer Eltern waren, die schon öfter als Kampfrichter im Einsatz waren, und nun die fehlenden Informationen und Ausbildung dazu nachholten. Die Hintergrundinfos gab es im Detail beim Lehrgang. Gerd Fecher und Anian Bauder können beide auf eine ganze Menge Wettkampferfahrung aus Kamprichter-Sicht zurückblicken und lockerten die Theorie dementsprechend gekonnt mit Anekdoten aus ihrem Kampfrichter-Alltag auf.

Mythos Hochsprung-Regel

Inhaltlich wurde ein breites Feld abgedeckt und zwar quer über alle Disziplinen hinweg: Welche Anforderungen muss die Wettkampfanlage erfüllen? Sind alle notwendigen Materialien vorhanden? Wer darf am Wettkampf teilnehmen? Welche zeitlichen Vorgaben sind einzuhalten? Wie ist die Reihenfolge der Versuche? Wann ist ein Versuch gültig bzw. ungültig und wie ist dies zu dokumentieren? Jede Disziplin wurde genauestens unter die Lupe genommen. Besonderen Wert legten die Referenten auf eine der Hauptaufgaben der Kampfrichter: Für die Sicherheit aller am Wettkampf Beteiligten zu sorgen.

Auch der ein oder andere Mythos, der unter Athleten im Umlauf ist, wurde aufgedeckt. Beispielsweise aus dem Hochsprung: Wenn ich die Latte überquert habe, sie aber wackelt, dann verlasse ich die Matte schnellstmöglich! Schließlich ist der Versuch gültig, solange die Latte noch liegt und ich nicht mehr auf der Matte bin - richtig?

Falsch! Der Sprung wird auch dann ungültig gegeben, wenn die Latte fällt und ich nicht mehr auf der Matte bin. Entscheidend ist, ob die Latte fällt, egal wann.

Vorläufiger Ausweis und Karriere nach oben hin offen

Kurzum: Weder allgemeine Fragen zum Wettkampfablauf noch spezielle Fragen zum Regelwerk  blieben offen - so ließ sich auch die abschließende "Erfolgskontrolle", ein Fragebogen-Test zu den Inhalten des Lehrgangs, gut beantworten. Eine Auswirkung auf die künftige Tätigkeit hat das Abschneiden allerdings nicht. Jeder Lehrgangsteilnehmer erhielt zum Abschluss einen vorläufigen Kampfrichter-Ausweis. Bei den nächsten Wettkämpfen kann sich jeder Lehrgangsteilnehmer in seinem vorläufigen Dokument den Einsatz bescheinigen lassen. Gegen Vorlage von 4 Einsätzen gibt es dann den "richtigen" Ausweis.

Nach oben hin ist die Laufbahn dann offen: Fortgeschrittenenlehrgänge sind dann möglich, oftmals wird sich auf eine Disziplingruppe (Lauf/Sprung/Wurf) spezialisiert. Wer dabei bleibt, hat so Chancen, auch international zum Einsatz zu kommen - wie die beiden Referenten auch.

Alles in allem war es ein sehr informativer und topaktueller Lehrgang, bei dem auch aktive Athleten einige Mythen klären konnten und sehr aktuelle Regeldiskussionen zur Sprache kamen und der obendrein auch noch kostenlos ist. Absolut empfehlenswert für alle, die sich gerne mit Hintergrundinfos zur Leichtathletik befassen - und einen Teil dazu beitragen wollen, dass Wettkämpfe auf allen Ebenen auch in Zukunft durchgeführt werden können.

Hier geht es zur Übersicht der Aus- und Fortbildungen der WLV-Kampfrichter.

Wir freuen uns sehr, wenn Sie sich für das Kampfrichter-Amt begeistern! Wenn kein passender Termin bei der Übersicht ist, kontaktieren Sie uns gerne per Mail an info(@)wlv-sport.de.

Allgemeine Informationen zu den WLV-Kampfrichtern finden Sie hier.