Das erste Ziel werden die 21 Meter sein

  17.06.2026    WGV Leichtathletik-Festival News WLV Top-News WLV Wettkampf BW-Leichtathletik
Eric Maihöfer führt die deutsche Bestenliste mit 20,15 Metern an. Für das WGV-Leichtathletik-Festival am Sonntag auf dem Stuttgarter Marktplatz hat sich der Kugelstoßer vom VfL Sindelfingen 20,20 Meter vorgenommen. Damit hätte der zweifache Deutsche Meister die Bestätigungsnorm für die Europameisterschaft in Birmingham erfüllt. Womit sich der 25-Jährige in seiner Freizeit beschäftigt, hat er im Interview verraten.

Herr Maihöfer, der Württembergische Leichtathletik-Verband (WLV) feiert auf dem Stuttgarter Marktplatz am Wochenende seinen 75. Geburtstag mit einem großen Festival. Was bedeutet das für Sie?  

Eric Maihöfer: Es ist schön, dass wir im WLV schon eine so lange Tradition haben. Dass man das mit so einem großen Festival, speziell auch für uns Kugelstoßer, auf dem Marktplatz krönt, ist richtig geil. Es wird eine tolle Kulisse geben. Und es ist auch schönes Wetter angekündigt.

Was nehmen Sie sich vor?

Ich möchte auf jeden Fall weiter als 20 Meter stoßen. Das ist mir in dieser Saison schon ein paarmal gelungen. Wenn’s ganz ideal läuft, dann möchte ich auch die 20,20 Meter knacken, das ist die Bestätigungsnorm für die Europameisterschaften im August in Birmingham. 

Das Teilnehmerfeld ist gut besetzt. 

Da hat der WLV sehr gute Leute geholt mit dem Afrikameister Aiden Smith, mit dem Neuseeländer Nick Palmer und auch mit dem Vize-Weltmeister Uziel Munoz aus Mexiko. Da haben wir wirklich eine starke Konkurrenz. Den Mexikaner zu schlagen wird schwierig werden, der hat bereits über 21 Meter gestoßen. Aber die anderen sind in unserem Leistungsumfeld, da geht’s um die Zentimeter.

Sie haben im der vergangenen Saison mit Ihren 20,28 Metern die EM-Bestätigungsnorm einmal übertroffen. In Birmingham dabei zu sein ist sicherlich Ihr großes Ziel?

Klar. So weit haben mein Trainer Artur Hoppe und ich aber noch gar nicht geplant. Wenn die 20,20 Meter als Bestätigungsnorm in den nächsten Wochen dastehen, dann kann man sich darüber unterhalten. Dann muss ich aber bei den Deutschen Meisterschaften auch noch gut performen. Wenn ich’s nach Birmingham schaffe, dann möchte ich auch ins Finale, also unter die Top-12, kommen. Und dann schaue ich mal, wie es an dem Tag läuft. 

Mit Ihren 25 Jahren haben Sie noch die besten Jahre für einen Kugelstoßer noch vor sich. Was haben Sie sich als Endmarke ausgemalt? 

Klar haben wir Ziele vor Augen. Das erste werden in den nächsten Jahren die 21 Meter sein. Und je nachdem, wie es läuft, vielleicht auch die 22 Meter. Ich bin nicht so der Ziele-Typ, ich lebe lieber in den Tag hinein und schaue, was am Ende rauskommt.   

Wie hat sich Ihr Training in den letzten Jahren entwickelt?

Durch meinen Eintritt in die Spitzensportförderung bei der Bundespolizei ist es natürlich viel professioneller geworden, kann zweimal am Tag trainieren. Zusätzlich bin ich finanziell abgesichert und habe ein Standbein für die Zeit nach meiner sportlichen Karriere. Nach dem Ende meiner Ausbildung im Februar bin ich komplett freigestellt. Ich kann mich also voll auf meinen Sport konzentrieren und in den nächsten Jahren voll angreifen.

Seit dem vergangenen Jahr stoßen Sie stabil über die 20 Meter. Erhalten Sie seitdem auch mehr Einladungen zu den großen Meetings?

Auf jeden Fall. 2021 habe ich mit 19 Jahren 19,75 Meter gestoßen und gedacht, jetzt flattern die Einladungen zu den großen Meetings nur so herein. Das war leider nicht der Fall, man braucht schon die 20 Meter konstant. Auf diesem Level bin ich und kann dadurch ein wenig von Europa sehen.

Was sehen Sie denn? Viele Athleten sagen, dass man nur den Flughafen, das Hotel und das Stadion sehe.

Je nachdem, wo das Hotel liegt, kann man auch mal einen Teil von der Innenstadt sehen. Natürlich ist es nicht so viel, wie wenn man im Urlaub sehen würde, aber ich bin happy, diese Erfahrungen machen und mit den anderen Athleten quatschen zu können.

Das heißt, Sie sind in der Weltspitze etabliert und integriert?

In der Weltspitze bin ich noch nicht, da fehlen noch ein paar Zentimeter, aber in der europäischen Szene, in der Leistungsklasse, in der ich mich bewege, kennen wir uns schon und gehen vor dem Wettkampf auch mal einen Kaffee trinken. 

Könnten Sie sich irgendwann einen Trainingsaufenthalt im Ausland vorstellen?

Das ist eigentlich erst einmal nicht geplant. Grundsätzlich fühle ich mich zuhause am wohlsten. Für das kommende Jahr haben wir uns, also Artur Hoppe und die gesamte Trainingsgruppe, vorgenommen, für vier Wochen nach Südafrika zu gehen und mit den Italienern gemeinsam zu trainieren. Ansonsten bin ich sehr happy in Arturs Gruppe, zu dem ich ein sehr gutes Verhältnis habe. Zudem haben wir am Olympiastützpunkt alles, was wir brauchen. 

Welches Hobby haben Sie außer dem Kugelstoßen?

Dann baue ich leidenschaftlich gerne Lego. In der Freistellungsphase habe ich den ganzen Tag nur ans Kugelstoßen gedacht. Das hat mir nicht so gut getan. Weil ich früher schon ein begeisterter Legofan war, habe ich daran angeknüpft. Da geht es mehr ums Aufbauen und Ausstellen, weniger ums Spielen. Momentan baue ich ein Schiff auf, davor waren’s viele Autos.

Das Gespräch führte Klaus-Eckhard Jost

Klaus-Eckhard Jost / wlv