Dreißig Jahre Knirpse (U12)- und Bambini (U10)-Ligen um den Sparkassen-Cup im Leichtathletikkreis Göppingen
1996 war der Leichtathletikkreis bundesweit der erste, der mit den Kindern angepassten Disziplinen und einem Liga-System an den Start ging. Klaus Meissner, Vorsitzender des Vorstands der Kreissparkasse Göppingen, und Thomas Mürder, Vorsitzender des Leichtathletikkreises Göppingen, begrüßten die Ehrengäste und zahlreiche Vereinsverantwortliche. Landrat Markus Möller hob die Bedeutung des Sports für die Entwicklung der Kinder hervor und bedankte sich bei den Trainerinnen und Trainern für ihr Engagement im Sport und für die Gemeinschaft.
WLV-Präsident Dieter Schneider würdigte die Vorreiterrolle des Kreises Göppingen in Sachen Kinderleichtathletik und betonte die Wichtigkeit der Basisarbeit in der Fläche. WLV-Ehrenpräsident Fred Eberle zeigte in seinem Impulsvortrag ‚Strukturwandel in der Leichtathletik – Pädagogische Offensive‘ eindrucksvoll die Entwicklung zur kindgerechten Leichtathletik auf. Beginnend mit dem Sportforum 1990 in Ludwigsburg entstanden in der Folge Lehrpläne und ein Wettkampfsystem Kinderleichtathletik. Der Stufenplan von der Kinderleichtathletik über die Jugend- hin zur Erwachsenenleichtathletik soll alsbald durch ein Lernprogramm für die Leichtathletik im Kindergartenalter ergänzt werden.
Mit Lena Isler, geb. Urbaniak, und Oskar Neudeck erzählten zwei ‚Ehemalige‘ lebhaft, wie ihre sportliche Wettkampf-Laufbahn mit den Nachwuchs-Ligen ihren Anfang nahm, die die Kugelstoßerin Lena über Deutsche Meisterschaften und Europameisterschaften bis zu den Olympischen Spielen 2016 in Rio brachte. Oskar, der stets auch Handball spielte, brachte es bis zum Deutschen Meister im Neunkampf U16, entschied sich dann aber doch für den Handball und ist heute Profi bei Frisch Auf Göppingen.
Im Anschluss übergab KSK-Chef Klaus Meissner an Thomas Mürder einen ‚Scheck‘ über 1500€, verbunden mit der Zusage, dass die KSK Göppingen, die die Nachwuchs-Ligen seit Anbeginn unterstützt, diese auch in den nächsten Jahren fördern wird.
Musikalisch großartig untermalt wurde die Veranstaltung durch die Gesangsgruppe The Six-Teens, fünf Schülerinnen und ein Schüler des Hohenstaufen-Gymnasiums Göppingen. In diesem würdigen Rahmen nahm Präsident Dieter Schneider die Ehrung von Roland Mäußnest mit der Goldenen Ehrennadel des DLV vor. Der Beauftragte Wettkampfwesen und Sport im Leichtathletikkreis Göppingen war der ‚Erfinder‘ der Knirpse- und Bambini-Ligen.
Nachgefragt bei Roland Mäußnest und Thomas Mürder:
Roland, was waren Deine Überlegungen, die zu den Knirpse- und Bambini-Ligen geführt haben?
Im Verband war damals die Diskussion, dass unsere Sportart kindgerechter werden muss, im vollen Gange. Mein Ansatz war, vom Diskutieren ins Machen zu kommen und durch abwechslungsreiche Disziplingestaltung die Leichtathletik für die Kinder interessant zu machen.
Ganz neu war aber ja auch das Liga-System?
Das Liga-System ist ja aus Mannschaftssportarten bekannt – auch den Kindern. Mein Ansatz war deshalb, sowohl den Teamgedanken zu stärken als auch durch eine Wettkampfserie über das Sommerhalbjahr das Training durch Wettkämpfe zu ergänzen.
Warum richtete sich das Angebot zunächst nur an die Acht- bis Elfjährigen?
Damals hatten wir kaum jüngere Kinder in der Leichtathletik und wir wollten das System zu Beginn auch nicht überfrachten. Nach einigen Jahren haben wir dann die U14 als XXS-Liga dazu genommen, natürlich mit angepassten Disziplinen. Ein Schwerpunkt in dieser Liga ist die Talenterkennung und -förderung. Vor wenigen Jahren kam dann die Mini-Liga mit den Sechs- und Siebenjährigen dazu, auch deshalb, weil wir natürlich in Konkurrenz zu anderen Sportarten stehen und deshalb Kinder früher an die Lichtathletik binden müssen.
Thomas, war es damals eigentlich einfach, die Vereine von dem neuen Ansatz zu überzeugen?
Wir haben das natürlich in unserem Kreistag ausführlich diskutiert. Soweit ich mich erinnern kann, gab es eine große Mehrheit, dass wir es einfach mal versuchen sollen. Dafür sprachen ja auch noch andere Aspekte.
Was waren das für Aspekte?
Zum einen die Wettkampforganisation. Es gab ja stets die Klage, dass zu viele Wochenenden belegt seien und die Wettkämpfe zu lange dauern würden. Deshalb gingen wir mit den Ligen unter die Woche und gestalteten kompakte Abläufe. Nach zwei Stunden muss alles vorbei sein und eine Siegerehrung gibt es ja nur nach dem Abschluss-Durchgang.
Und zum andern?
Leichtathletik wird auch in Vereinen betrieben, die keine Leichtathletikabteilung haben: Im Kindersport, auch im Kinderturnen oder in KISS. Diesen Vereinen wollten wir ein Angebot machen, mit ihren Kids bei unseren Ligen mitzumachen. Im ein oder anderen Fall ist uns das auch gelungen. Es gibt da aber schon noch Luft nach oben, es gibt schon noch unentdeckte ‚Leichtathletiknester‘.