Nachruf an Margot Bayer: Als der Sport seine Unschuld verlor

  18.08.2026    WLV
Die zweifache Olympiateilnehmerin Margot Bayer (geb. Eppinger; LG Filder) ist im Alter von 74 Jahren verstorben.

Bodenständig, bescheiden, fleißig – so wird Margot Eppinger von denen beschrieben, die sie aus ihrer aktiven Zeit als Leichtathletin kennen. Eppinger war 1973 und 1975 Deutsche Mehrkampfmeisterin und 1972 in München und vier Jahre später in Montreal zweifache Olympiateilnehmerin. Sie verstarb am 2. August im Alter von 74 Jahren.

Anlässlich des Jubiläums ihres Heimatvereins hatten wir Gelegenheit für ein langes Gespräch, in dem die Hauptschullehrerin vieles aus ihrer Karriere erzählte und auch offen über Doping in dieser Zeit sprach.

Eppinger gehörte neben den Langstrecklern Stephane Franke und Kim Bauermeister, den Sprintern Klaus Just und Stefan Holz zu den Aushängeschildern der LG Filder vor den Toren Stuttgarts und war in den 70er Jahren ein großes Vorbild in der württembergischen Leichtathletik. Die ansonsten eher zurückhaltende Vorzeigeathletin aus Neuhausen redete offen über Doping und streute unerwartet kritische Töne in die Vereinsfeier ein.

„In Montreal hat sich der Sport grundlegend verändert“, sprach Margot Eppinger-Bayer von einer Zeit, in der der Sport seine Unschuld verloren hatte. Doping war mit ein Grund, warum Margot Eppinger schon mit 24 Jahren ihre Leistungssportkarriere beendete. „Ich hatte ungedopt keine Chance mehr“, war sie entmutigt. Ein Bandscheibenvorfall und ihre berufliche Ausbildung taten ein Übriges, dass sie fortan die Spikes einpackte.

„Der Sport hat mir für meine Persönlichkeit unheimlich viel gegeben, ich möchte diese Zeit nicht missen“, zog sie ein positives persönliches Fazit. Wettkampf- und Trainingsreisen in die Sowjetunion, Südafrika, Südamerika und Kanada waren ihre Höhepunkte. Mit Platz zehn und zwölf bei ihren beiden Olympischen Spielen war sie zufrieden. Mit 6,44 Meter im Weitsprung, 1975 beim UdSSR-Länderkampf-Sieg gesprungen („Da hat man für mich die Hymne gespielt“) und 11,5 Sek. über 100 Meter war sie auch in den Einzeldisziplinen national spitze.

Ihr größtes Erlebnis waren die Olympischen Spiele in München. Der heiter beschwingte Einmarsch vor 72.000 Zuschauern, die Eltern in Sichtweite auf der Tribüne und das Attentat – dies waren unvergessliche Momente. In der Nacht vor dem Attentat auf die Israelis schlief sie in der Stadt bei ihrer Tante, erfuhr von den Ereignissen im Fernsehen und kam in die Teambesprechung („Soll es weitergehen?“) zurück.

Zurück kam sie immer wieder zu ihrem Heimatverein, der LG Filder. Sie hatte nie das Bedürfnis, zu einem der Großvereine zu wechseln. „Ich war hier auf den Fildern immer bestens bedient worden“, war sie zufrieden. Eppinger war heimatverbunden. Nach ihrem zweiten Deutschen Meistertitel gab es ein Armband als Geschenk, nach den Spielen in Montreal eine Stereoanlage.

Margot Eppinger verstarb am 2. August überraschend nach einer Lungen-OP. Die Trauerfeier findet am Freitag, 21. August, auf dem Friedhof in Neuhausen statt.

Die Traueranzeige finden Sie hier.

Ewald Walker / wlv