Alina Rotaru-Kottmann und der Traum vom Siebenmetersprung
Der Start in der Karlsruher Europahalle war für Alina Rotaru-Kottmann wie ein kleines Nach-Hause-kommen. Im Januar 2015 war sie ebenfalls dort angetreten. Damals allerdings noch im Trikot von Steaua Bukarest. Zustande gekommen war dieser mit einigen Irrungen und Wirrungen. Zunächst war die Weitspringerin im Rahmen eines Trainingslagers mit dem rumänischen Team nach Stuttgart gereist, weil die Trainingshalle in Budapest von Grund auf renoviert wurde. „Der Verband hat gesagt, dass es in Stuttgart eine neue Halle mit hervorragenden Trainingsmöglichkeiten gebe“, sagt Alina Rotaru-Kottmann. Die hat sie dann auch genutzt. Als ihr Trainer Ghioroaie Adrian jedoch krankheitsbedingt nachhause musste, überlegte die Sportlerin, wie es für sie weitergehen würde. Da die Unterkunft bis März schon bezahlt war, blieb die 1,75 Meter große Athletin. Auch weil in Micky Corucle ein Landsmann regelmäßig in der Schauffelehalle Athleten betreute. Dessen Trainingsgruppe schloss sich die Rumänin an. „Micky war mein Glück“, sagt die Weitspringerin heute in gutem deutsch, „er hat damals die gleiche Sprache gesprochen.“ Und mit Corucle als Betreuer startete sie dann beim Meeting in Karlsruhe. „Für mich hat das gut gepasst – guter Trainer, gute Halle, alles auf einem guten Niveau.“
Lebensmittelpunkt und große Ziele
Stuttgart ist längst ihr Lebensmittelpunkt. Beim Training hat sie auch VfB-Trainer Max Kottmann kennengelernt. Seit 2020 sind die beiden verheiratet. Trotzdem startet Rotaru-Kottmann international weiter für Rumänien. Zum einen, weil sie noch keine deutsche Staatsbürgerin ist. „Das wollen wir dieses Jahr beantragen“, verrät die 32-Jährige. Zum anderen aber auch, weil sie bei einem Wechsel fürchtet, dass der rumänische Verband eine Sperre für sie beantragen könnte.
Momentan plant Alina Rotaru-Kottmann bis zu den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles. „Danach will ich mal schauen“, sagt die Sportwissenschaftlerin mit Masterabschluss und lässt das Ende offen. Denn einerseits hat sie bemerkt, dass danach ein paar schwächere Jahrgänge kommen, andererseits „will ich auch noch eine Familie gründen“.
Bronze und der Traum von sieben Metern
Wer in Deutschland an Weitsprung denkt, dem fällt sofort der Name Malaika Mihambo ein. Die Olympiasiegerin und zweimalige Weltmeisterin ist schon seit der Juniorenzeit eine Konkurrentin von Alina Rotaru-Kottmann. „Bei den Junioren habe ich häufiger gewonnen“, berichtet die Rumänin, „bis Malaika mit 23 Jahren einen gewaltigen Sprung gemacht hat.“
Ihr sportlicher Höhepunkt waren die Weltmeisterschaften 2023 in Budapest. Bis sie mit 6,88 Metern die Bronzemedaille jedoch sicher hatte, musste sie im letzten Durchgang ordentlich zittern, trotz mehr als 40 Grad. Fünfte war sie nach fünf Durchgängen. „Damit war ich eigentlich zufrieden, denn es war einen Platz besser als 2019 in Doha“, erklärt sie. Doch dann wurde sie auf Platz sechs verdrängt. „Das hat mich gewurmt.“ Sie legte alle Energie in ihren letzten Satz – Verbesserung auf 6,88 Meter und Platz drei. „Die Versuche der nächsten Springerinnen abzuwarten war richtig schlimm“, beschreibt sie ihre Gefühlslage. Doch es hat gereicht. Danach gab’s beim Jubeln kein Halten mehr. „Schön, dass Max, meine Eltern und Schwiegereltern dabei waren“, erzählt sie.
Ähnlich überschwänglich würde sie sicherlich auch reagieren, wenn ein großer Wunsch von ihr in Erfüllung ginge. „Ich hoffe immer noch auf einen Siebenmetersprung“, sagt sie. Seit 2023 steht ihre Bestleistung bei 6,96 Metern. In der Halle gelang ihr 2015 bei der EM in Prag ein Sprung auf 6,74 Meter. „Wenn ich diese Weite bei den Weltmeisterschaften in Torun Mitte März springen würde, wäre das eine tolle Leistung“, sagt sie. Die Basis hat sie mit ihrem Sieg in Karlsruhe gelegt.