Trauer um WLV-Ehrenpräsident Fred Eberle
Der Deutsche und insbesondere der Württembergische Leichtathletik-Verband trauern um Fred Eberle, der am Dienstagabend in Schwäbisch Gmünd verstorben ist. Der ehemalige Hammerwerfer Eberle war über Jahrzehnte in der württembergischen Leichtathletik als Trainer, Lehrwart und Präsidiumsmitglied tätig und gehörte 20 Jahre dem Präsidium des DLV als Vize-Präsident Bildung und Wissenschaft sowie als Kinder- und Zukunftsbeauftragter an. Mit einem umfassenden Konzept zur Kinder- und Jugend-Leichtathletik hat Eberle, der 83 Jahre alt wurde, tiefe Spuren interlassen.
Aktiver, Trainer, Funktionär
„Wir im WLV sind tief betroffen vom Tod Fred Eberles, er war Pionier und langjähriger Gestalter der württembergischen Leichtathletik“, kommentierte WLV-Präsident Dieter Schneider die traurige Nachricht. „Fred Eberle hat mich von der Kreisliga in die Weltspitze geführt“ äußert der ehemalige Weltklasse-Zehnkämpfer Siggi Wentz seine Hochachtung vor seinem ehemaligen Trainer und Mentor, unter dessen Fittichen er vier Medaillen bei den internationalen Großereignissen WM, EM und Olympische Spiele gewann. „Fred Eberle war menschlich top, er ist für mich Trainer und Freund zugleich geworden“, sagt der heutige Chefarzt an einer Reha-Klinik im Schwarzwald. Und Alexander Ziegler, im Trikot des SV Dischingen unter Eberle Deutscher Hammerwurfmeister, schätzte den Gmünder Trainer hoch ein: “Fred war mehr als ein Trainer, er war Lebensberater“.
Legendärer Nikolauslehrgang
Im Rahmen seiner Tätigkeit als Lehrwart für die Trainer- und Übungsleiter-Ausbildung in Württemberg zuständig, initiierte Fred Eberle 1972 den bis heute legendären Nikolauslehrgang für Trainer und Übungsleiter in Schwäbisch Gmünd Anfang Dezember. Hier haben sich im Lauf der Jahrzehnte Größen der Leichtathletik in den Dienst der Lehre und Ausbildung gestellt: Deutsche Sportidole wie die Olympiasieger Ulrike Meyfarth, Klaus Wolfermann, Christian Schenk, Willi Holdorf, Jürgen Schult und selbst den legendären Kipchoge Keno aus Kenia hatte Eberle nach Gmünd gebracht.
Menschlich integer, fachlich kompetent und überaus engagiert – Eberles Prädikate sind bemerkenswert. Als Hammerwerfer vertrat er Salamander Kornwestheim in der DMM. Der ehemalige Leichtathlet und Fußballer machte früh als Mehrkampf-Trainer bei der LG Staufen auf sich aufmerksam. Als Lehrwart im Württembergischen Leichtathletik-Verband gab er seine Erfahrung weiter. Eberle kämpfte als DLV- und WLV-Vizepräsident auf seine Art gegen den nachlassenden Stellenwert der olympischen Kernsportart Leichtathletik in Schule und Verein.
Kindgemäße Leichtathletik als Lebensaufgabe
„Die große Leichtathletik fängt bei den Kleinen an“, lautete eine seiner programmatischen Aussagen. Seit 1997 war Eberle als Kinderbeauftragter im Präsidium des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Als Folge des Mainzer Kongresses („Kinder in der Leichtathletik“) setzt Eberle entscheidende Impulse für die Entwicklung einer kindgemäßen Leichtathletik, zu deren Grundgedanken die altersgemäße, herausfordernde Leichtathletik unter Berücksichtigung des Teamgedankens zählen. Eberle entwickelte mit schwäbischen Mitstreitern einen Lehrplan („Leichtathletik in der Schule“), der später bundesweit vermarktet zu einem Verkaufsschlager wurde.
„Väterlicher Freund“
„Ich habe in ihm einen väterlichen Freund gewonnen“, zeigt David Deister, Projektleiter der DLV-Bewegungscamps und von „Leichtathletik in Aktion“ im DLV größten Respekt vor dem geistigen Vater einer neuen Leichtathletik-Orientierung. 2001 stellte er in Jena gemeinsam mit dem Autor die neuen Ansätze in einem Modellprojekt unter den Augen des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder vor. Eine ähnliche hohe Wertschätzung seiner Arbeit für die Leichtathletik durfte Fred Eberle im selben Jahr erfahren, als der damalige Bundespräsident Johannes Rau zu einer Stabhochsprung-Präsentation in Eberles Heimatstadt Schwäbisch Gmünd kam.
Passionierter Jazzmusiker
„Die Zukunft der deutschen Leichtathletik liegt bei den Kindern“ schrieb er dem DLV ins Stammbuch. Es wurde für ihn zur Lebensaufgabe, Kinder für die Leichtathletik zu begeistern und deren Talente zu fördern. Dabei hat der Mann von der Ostalb außerhalb des Sports beachtliche eigene Talente aufzuweisen. Er war 37 Jahren lang in der Jazzband „Swany Feet Warmers“ als Saxophonist, Klarinettist und Sänger aktiv. Mit einer Prise Louis Armstrong, eine Messerspitze Silcher machte er hier „a bissle schwäbisch g’färbta uriga Dschäss“ (für Nichtschwaben: ein bisschen schwäbisch eingefärbten urigen Jazz). Dem musikalischen Talent nicht genug wurde im Gmünder Männerchorensemble „Cantate Domino“ aus dem früheren Chorknaben Fred der Dirigent Eberle. Er sang mit seinen Männern auf einer Konzertreise in Prag gregorianische Choralmelodien. Weil der inzwischen pensionierte Dozent an der Pädagogischen Hochschule in Gmünd weitere Freiräume verspürte, saß er beim Regionalligisten VfR Aalen neben “Euro„-Eddy Schmitt als Schnelligkeitstrainer auf der Trainerbank.
Große Anerkennung der DLV-Ehrenpräsidenten Digel, Prokop und Rous
Die größte Anerkennung erfuhr er dennoch bei den Leichtathleten. „Fred Eberle ist der kompetenteste Vertreter der Kinder- und Jugend-Leichtathletik“, würdigte DLV-Ehrenpräsident Theo Rous seinen langjährigen Weggefährten. „Seine Arbeit ist geprägt von ethischen Ansprüchen und kritischer Solidarität“, sagte Rous über ihn. „Fred ist ein Urgestein der württembergischen Leichtathletik, das unzertrennbar mit der Lehre, Pädagogik und Menschlichkeit verbunden ist“, wusste auch WLV-Präsident Jürgen Scholz seinen „Vize“ zu schätzen. Eine der schmerzlichsten Niederlagen war der verlorene Kampf um den Erhalt der Stuttgarter Leichtathletik-Bahn im Daimler-Stadion.
„Fred Eberle war fachlich und menschlich exzellent“, beschreibt ihn DLV-Ehrenpräsident Clemens Prokop, „er hatte beeindruckende ethische Wertemaßstäbe gesetzt“. Eberles Konzepte seien für die deutsche Leichtathletik bahnbrechend gewesen, die weit über seinen Tod hinaus mit seinem Namen verbunden blieben. „Fred Eberle war ein sehr loyaler, liebenswerter Mensch, der sich ein Leben lang mit der Frage beschäftigte, wie man Kinder an die Leichtathletik heranführt“. „Das war ihm eine Herzensangelegenheit“ erinnert sich DLV-Ehrenpräsident Helmut Digel an die gemeinsame Zeit im DLV-Präsidium. Auf vielen Autofahrten habe die „schwäbische Connection“ so manche Projekte besprochen.
Leistungssport und Pädagogik
„Der Leistungssport ist auch eine besondere pädagogische Aufgabe“, vertrat er seine konsequente Auffassung. Gerade darin lag für Eberle die Verbindung zur (neuen) Kinderleichtathletik, um die er sich 25 Jahre verdient gemacht hatte. Ausgehend vom Ludwigsburger Kongress „Leichtathletik in Schule und Verein auf dem Prüfstand“ 1990, bei dem er mit dem ehemaligen DDR-Wissenschaftler Dr. Wolfgang Lohmann pädagogische Aspekte der Leichtathletik unter die Lupe nahm, entwickelte Eberle mit Weggefährten wie Günter Frey (Tübingen), Wolfgang Schiele (Ellwangen), Roland „Sonny“ Kromer (Ludwigsburg), David Deister (Darmstadt), Dominic Ullrich (Hattersheim), Wolfgang Killing (Mainz) und Jutta Bryxi (Schwäbisch Gmünd) eine Neukonzeption der Kinderleichtathletik.
An eine Fortbildung zur Kinderleichtathletik erinnert sich Dominic Ullrich, Vorsitzender der DLV-Jugend noch genau. Da habe Fred Eberle nach der Begrüßung ein Lied gesungen. „Willst du rennen wie ein Hase, muss oben sein deine Nase“. Er war eben Pädagoge durch und durch. Und für den Autor Ewald Walker war er Wegbegleiter über vier Jahrzehnte. In der kommenden Woche wären sie in Schwäbisch Gmünd zum Essen verabredet gewesen.
Der Württembergische Leichtathletik-Verband wird Fred Eberle stets ein ehrendes Andenken bewahren und spricht seinen Angehörigen sein tief empfundenes Mitgefühl aus.
Die Trauerfeier findet am Donnerstag, 24. September 2026 um 10:00 Uhr auf dem Dreifaltigkeitsfriedhof in Schwäbisch Gmünd statt.